Bei aller Euphorie ob der guten Erfahrungen bei der WM und den angekündigten Maßnahmen der DFL darf allerdings nicht vergessen werden, dass man noch längst nicht da ist, wo man ursprünglich sein wollte. Das zeigte unter anderem der Supercup zwischen Eintracht Frankfurt und Bayern München, als Mats Hummels ein möglicher Platzverweis erspart blieb – übrigens nicht die einzige strittige Szene, in denen die Zusammenarbeit zwischen Hauptschiedsrichter und Videoassistent nicht optimal funktionierte1,2.

DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann warnte zuvor bereits3, dass auch in Zukunft Fehler passieren werden, schließlich gebe es oft genug auch Situationen, in denen das technische Hilfsmittel nicht zur zweifelsfreien Aufklärung beitragen kann. Auch deshalb, weil es noch immer nicht in allen Situationen zum Einsatz kommen soll, sondern lediglich wie gehabt bei „[1.] Torerzielung (Foul, Handspiel, Abseits und andere Regelwidrigkeiten), [2.] Strafstoß/Elfmeter (nicht oder falsch geahndete Vergehen), [3.] Rote Karte (nicht oder falsch geahndete Vergehen), [4.] Verwechslung eines Spielers (bei Roter, Gelb-Roter oder Gelber Karte)“4. Freistöße und Ecken beispielsweise werden auch weiterhin wohl nur in absoluten Ausnahmen per Videobeweis revidiert. Dabei sind es durchaus potenziell spielentscheidende Szenen – ein fälschlich gegebener direkter Freistoß kann schließlich ebenso zum Siegtor führen wie ein Zweikampf im Anschluss an einen ungerechtfertigten Eckstoß einen ebenso relevanten Strafstoß verursachen kann.

Ausnahmen mit Konfliktpotenzial

In beiden Fällen wäre die Fehlentscheidung aber nicht mehr zu korrigieren, weil das Spiel bereits fortgesetzt wurde. Zwar dürften diese Situation unter normalen Umständen nur selten auftreten und dementsprechend kaum reihenweise Spiele entscheiden, doch das kategorische Ignorieren ergibt wenig Sinn, wenn man die maximal mögliche Gerechtigkeit anstrebt. Insbesondere deshalb, weil die relativ geringe Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens solche Situationen ja ohne Probleme überprüfbar machen dürfte. Schließlich war es in der vergangenen Saison auch möglich, einen klaren Strafstoß für Borussia Mönchengladbach zurückzunehmen, weil in einem Zweikampf kurz zuvor die Entscheidung des Schiedsrichters (Weiterspielen) vom Videoassistenten vom äußerst fragwürdigen Urteil „Stürmerfoul“ verdrängt wurde5. Es bleibt also trotz aller Erkenntnisse, Anpassungen und Versprechungen spannend, ob der Videobeweis nach der einjährigen Orientierungsphase den in ihn gesetzten Erwartungen zumindest näher kommt oder eine noch schärfere Diskussion entfacht. Die Testphase ist jedenfalls abgeschlossen – eine Hinrunde wie in der abgelaufenen Saison kann man sich deshalb nicht mehr erlauben.

Quellen

  1. Fröhlich räumt ein: Hummels hätte Rot sehen müssen, kicker.de, 13.08.2018
  2. Hummels‘ Notbremse als Warnung, sueddeutsche.de, 16.08.2018
  3. Videobeweis-Zahlenvergleich: Rückrunde besser als WM, kicker.de, 10.08.2018
  4. Fragen und Antworten zum Video-Assistenten, dfl.de, 10.08.2018
  5. Ticker Borussia Mönchengladbach – Schalke 04, kicker.de, 09.12.2017