Beide Teams begannen mit offenem Visier und Brasilien kam bereits nach acht Minuten zur ersten richtig großen Chance. Nach einer Ecke sprang Thiago Silva in den Ball, den er allerdings nur mit dem Oberschenkel erwischte, sodass die Kugel fast im Zeitlupentempo an den Pfosten sprang. Auf der anderen Seite endete dieselbe Standardsituation ertragreicher: Ein Eckball von Chadli wurde von Casemiro-Ersatz Fernandinho mit dem Oberarm ins eigene Tor gelenkt. Der unglückliche Rückstand schien die Südamerikaner in der Folge etwas aus der Bahn zu werfen, plötzlich war Brasilien sehr anfällig für die kraftvollen Konter der Belgier. Aus einem solchen resultierte folgerichtig auch das 2:0 durch Kevin de Bruyne in der 31. Minute.

Die zu diesem Zeitpunkt angesichts der ausgeglichenen Spielanteile relativ deutliche Führung ist auch darauf zurückzuführen, dass die Brasilianer in der Offensive entweder mit ihren Abschlüssen in der belgischen Abwehr hängen blieben (zehn Schüsse wurden geblockt) oder am glänzend aufgelegten Torwart Courtois (neun Paraden) scheiterten. Die beste Chance zum Anschlusstreffer hatte der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Firmino, der eine scharfe Hereingabe in der 51. Minute jedoch knapp verpasste. Kurz darauf dribbelte Neymar in den gegnerischen Strafraum, wählte dann jedoch die Schwalbe statt eines Torabschlusses oder Passes. Belohnt wurde er dafür jedoch nicht, das Spiel lief weiter – seiner unfairen Aktion offenbar bewusst, forderte Neymar seine Mitspieler auch direkt zum Weiterspielen auf, um einen Videobeweis und seine zweite Gelbe Karte im Turnier zu verhindern.

Erst Schwalbe, dann Foul?

Das glückte ihm immerhin, möglicherweise wirkte sich die Aktion aber zum Nachteil der Brasilianer auf eine andere Situation nur drei Minuten später aus. Vincent Kompany ging hier am Rand des Fünfmeterraums gegen Gabriel Jesus in den Zweikampf. Während der Ball Richtung Toraus sprang, kam es zum Kontakt und Jesus zu Fall. Eine knifflige Situation, die Schiedsrichter Mazic nicht mit einem Elfmeter ahndete und dabei die Zustimmung des Videoschiedsrichters bekam. Eine Entscheidung, die vielfach diskutiert wurde (Ball schon im Aus? Kontakt ausreichend und ursächlich für den Sturz?) und letztlich vermutlich auch anders ausfallen könnte – gänzlich falsch war sie aber wohl auch nicht.

Aus dem nun immer stärker werdenden Druck konnte Brasilien trotzdem zunächst keinen Vorteil ziehen, auch aufgrund einiger Fehlpässe im Spielaufbau. Erst mit dem in der 73. Spielminute eingewechselten Renato Augusto (der als offensiver Mittelfeldspieler den defensiven Teamkameraden Paulinho ersetzte) gelang der förmlich erzwungene Anschlusstreffer. Dabei blieb es jedoch, auch weil Firmino (78.) und erneut Augusto (81.) große Chancen knapp neben das Tor setzten. Auch technische Fehler waren zu beobachten, so traf Coutinho den Ball beim Abschluss nicht richtig (84.) und Neymar dribbelte ins Toraus (88.), während Belgien fast nur noch Entlastungsangriffe inszenierte. Den letzten Versuch platzierte Neymar aus der Distanz nicht exakt genug und bot Courtois erneut eine Gelegenheit zur Parade (94.), bevor Belgien die verbliebene Nachspielzeit clever herunterlaufen ließ.